Die Säbelform des TaiChi

Als Säbelform wird eine der Arten des TaiChi (auch Taijiquan bzw. chinesisches Schattenboxen) bezeichnet. Historisch werden im TaiChi zwar Stile unterschieden (5 Familienstile, benannt nach fünf Stilbegründern aus dem dem China des 18. und 19. Jahrhunderts), doch auch die Form als Bewegungsablauf gehört neben den Bildern, aus denen die Formen bestehen, zu den strukturbildenden Begriffen im TaiChi. Die bekanntesten und häufigsten Formen werden ohne Waffen geübt, jedoch existieren auch einige Waffen- bzw. Objektformen, die meist erst fortgeschrittenen Schülern vermittelt werden. Zu diesen Formen zählen neben der Fächerform sieben Waffenformen: die Schwertform, die Kurzstockform, die Langstockform, die Dagan-Langstockform, die Speerform, die Hellebardeform und schließlich die Säbelform. Alle Waffen- bzw. Objektformen werden auch als Solobilder und -formen geübt, jedoch existieren auch Partnerformen, die die Nähe des TaiChi zur Kampfkunst erkennbar werden lassen. Als Gerät wird bei dem Säbelstil auf den chinesischen Säbel (Dao) zurückgegriffen, der einschneidig ist und einhändig geführt wird.

Die Ursprünge des TaiChi als Kampfkunst werden im 15. Jahrhunderts vermutet, doch hängt hier die offizielle Geschichtsschreibung dem Interesse an TaiChi noch hinterher: die Geschichtswissenschaft hat die Entstehungsgeschichte des TaiChi vor dem 17. Jahrhundert noch nicht bestätigen können. Verifiziert ist sie erst ab Mitte des 17. Jahrhunderts, wobei die „32 Boxformen“ von Qi Jiguang als älteste schriftliche Quelle gilt. Darin geprägte Beizeichnungen für einige Techniken des TaiChi haben sich bis heute erhalten. Nach der Entwicklung des ersten „Familienstils“ (Chen-Stil) im 18. Jahrhundert kamen zwischen Mitte des 18. und Anfang des 20. Jahrhunders vier weitere Familienstile hinzu (Yang-, Wu/Hao-, Wu- und Sun-Stil). Die Säbelform wird dem Yang-Familienstil zugeordnet, zählt somit zu den ältesten historisch belegten TaiChi-Formen. Stilbegründer des Yang-Stils ist Yang Luchan, der gleichzeitig als Schüler der Chen-Familie den Verbindungspunkt der beiden Familienstile darstellt. Seine Modifikationen gelten als Grundlage späterer Weiterentwicklungen und werden als „Alter Rahmen“ bezeichnet.

Inhaltlich baut die Säbelform auf der Handform auf und gilt als eine majestätisch wirkende und trotzdem geschmeidig-leichte Form. Die kreisenden und schneidenden Bewegungen, die mit dem einschneidigen und leicht sichelförmigen Säbel auszuführen sind, werden allgemein als elegant und imposant empfunden, wobei das Tempo höher ist als das der Handform. Die Säbelform ist dem Tiger sowie dem Element Feuer zugeordet, die kreisenden und schneidenden Bewegungen werden zwar fließend, jedoch schneller ausgeführt, wobei das Kreisen des Schwertes über dem Kopf zu den charakteristischen Formbildern gehört.