Der jüngste Stil mit Einfluß innerer Kampfkunst
Das TaiChi (die original chinesisch Schreibweise ist "Taijiquan"), seltener auch Schattenboxen genannt, ist ein Kampfsport zur Selbstverteidigung und gesundheitsfördernd für Körper und Seele. In der Volksrepublik China ist TaiChi ein beliebter Sport von Jung und Alt.
Will man die Kunst des TaiChi von Grund auf mit all ihren Facetten lernen, ist es ratsam, sich einem erfahrenen TaiChi Meister zu unterstellen. Fortschritte und Spaß am Training wird man rasch haben - für ein meisterliches Beherrschen der Kampfkunst braucht es jedoch Jahre.
Der TaiChi Kampfsport wurde innerhalb des 19. Jahrhunderts von fünf Familien auf unterschiedliche Weise ausgeübt, weiterentwickelt und gelehrt.
Von diesen so genannten Familienstilen des TaiChi ist der Sun-Stil der jüngste, der, der am spätesten entwickelt wurde und daher als am modernsten gilt. Sein Namensgeber ist der berühmte Meister Sun Lutang, welcher selbst erst im Alter von 50 Jahren zum Taijiquan fand. Nachdem er diesen Kampfesweg verinnerlicht hatte, erschuf er daraus seinen eigene Stilführung - den TaiChi Sun-Stil.
Besonderheit des Sun-Stils - Der Körper, fließend wie Wasser
Es gibt insgesamt 98 Bewegungsformen beim TaiChi Sun-Stil, die alle fließend ineinander übergehen - ohne stockende Pausen im Bewegungsablauf. Meister Sun Lutang selbst umschreibt die Übungen in 3 Phasen folgendermaßen:
In der ersten Phase bewegt man sich, als würde man umgeben von Wasser auf dem Grund eines Sees trainieren, langsam und bedacht mit den Bewegungen gegen den Widerstand des Wassers.
Dann langsam darauf folgend fängt der Körper an, sich mit dem Wasser als Einheit zu bewegen und nicht mehr dagegen an.
Der Kämpfer gleitet nun wie ein Fisch durch dieses Wasser, es für sich nutzend und ohne es als ein Hindernis zu betrachten.
In der Endphase schließlich bilden Körper und Seele eine vollständige Einheit, man fühlt sich schwerelos leicht und frei als würde man über das Wasser gleiten- nahezu schweben.
Der Sun-Stil ist einzigartig, verbindet er doch Elemente vom Baguazhang und Xingyiquan, innere Kampfkünste, die Sun Luang schon lange vor dem TaiChi meisterte, und kombiniert diese mit dem althergebrachten Taijiquan.
Dabei zeichnet sich der Sun-Stil durch seine Beinlastigkeit aus. Bei fast allen Übungen und Gesten liegt das Gewicht des Körpers vollständig auf einem oder auf beiden Beinen, und fördert und fordert deren Agilität. Die Bewegungen sind ein kontinuierliches Vorstoßen,- und sich Zurückziehen, unter höchster Konzentration.
Der Sun-Stil ist geprägt von der Einheit von Körper und Geist; die Bewegungen sind ruhig und fließen. Es wird mehr Wert auf Agilität und Bewegung, als auf bloße Kraftanwendung gelegt.
Vergleich zu anderen TaiChi Stilen:
Der Sun-Stil des TaiChi eignet sich besonders für Anfänger und ältere Kämpfer, da es ein besonders schonender Bewegungskreislauf ist. Im TaiChi kommen die Bewegungen aus dem Hüft,- und Beckenbereich sowie aus der Bauchhöhle. Bei einer Drehung im Yang-Stil, zum Beispiel, verbleiben beide Füße fest auf dem Boden, was mitunter schwierig auszuführen sein kann, denn alle Bewegung kommt nur aus der Körpermitte und fordert hohe Gelenkigkeit. Im Sun-Stil dagegen wird das passive Bein bei der Drehung mitgenommen - die Bewegung ist somit natürlicher und die Gefahr einer Überdehnung gering.
Auch die Armbewegungen und Gesten des Sun-Stils sind einfacher auszuführen und ermöglichen es einem Anfänger so, sich mehr auf den Inhalt der Übungen zu konzentrieren, als um die korrekte Ausführung. Es ist leichter, störende Gedanken auszublenden und sich ganz den Übungen hinzugeben, was Voraussetzung für den fließenden, gleitenden Bewegungsablauf ist.